Panini  

 

Ich hatte den Text ja schon auf meiner alten Website – Panini-Bildchen sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt werden. Drum hatte ich die Sammelübung zur WM 2006 ziemlich schnell abgebrochen und einen empörten Text über diesen Mist verfasst.
Heute ist der 11. April 2008, Panini ist seit gestern zurück – und ich auch. Ich habe probehalber sechs Tütchen gekauft, um zu sehen, ob die Qualität immer noch so mies ist. Kurz gesagt: Ja. Aber das war ja zu erwarten. Wieso soll man sich mit einem Produkt Mühe geben, wenns die Leute auch in schlechter Qualität kaufen...

Mir ist bewusst, dass es beim Sammeln der Bildchen nicht um die Qualität geht, sondern ums Sammelfieber. Trotzdem: Man muss sich schon überlegen, ob man weit über 100 Franken ausgeben will, um am Ende ein Album mit hässlichen Bildern ins Regal stellen zu können.

Als Alternative empfehle ich immer noch «Football Heroes», ein Buch, an dem 50 der weltbesten Illustratoren mitgewirkt haben.

Football Heroes

Ashi; Jerzovskaja - Football Heroes; ISBN 978-3-9523088-0-6

Vor der WM 2006 gekauft und nie bereut. Aber zurück zu Panini. Wie schon beim letzten Mal verzichte ich darauf, die kritisierten Bilder einzuscannen und hier zu zeigen. Ich habe keinen Bock auf einen Rechtsstreit mit den Halsabschneidern aus Modena.

Das Positive vorneweg: Von den Bildern, die ich erwischt habe, waren alle anständig geschnitten, die Ränder rundrum waren (innerhalb einer gewissen Toleranz, bin ja kein Unmensch) regelmässig, es war nichts angeschnitten.

Jetzt aber: Mit der Bildauswahl hapert es offenbar immer noch gewaltig. Es hat ein paar schöne Porträts dabei, aber teilweise wirken die Bilder wie irgenwo aus dem Internet zusammengeklaut und dann flugs den Spieler ins Nationalmannschafts-Leibchen montiert. So etwa beim Russen Pavel Pogrebnyak (Nummer 459). Miserable Bildqualität, miserabel reinretuschiert. Ich würde wetten, dass der Hals, der da aus dem Leibchen schaut, nicht zum Kopf passt. Sowieso scheint die ganze russische Mannschaft mittels Photoshop in die Trikots gekommen zu sein. Von den drei, die ich in meinen Tütchen fand, hat jedenfalls keiner das Trikot in echt an.
Eine ganz traurige Retusche passierte bei Nuno Gomes (Nummer 122). Er wurde in ein portugiesisches Leibchen gesteckt, dass auf wundersame Weise ein paar Zentimeter über seinen Schultern schwebt. Dieser Gomes scheint ein richtiger Zauberer zu sein.

Noch viel lustiger ist aber die Tatsache, dass die Österreicher (Emanuel Pogatetz/157), die Tschechen (Jan Koller/96 und David Jarolim/88) und die Schweizer (Tranquillo Barnetta/65) alle dieselben Puma-Trikots tragen. Ist in der Realität auch so - jedenfalls fast. Die Schweizer haben einen weissen, die Tschechen einen blauen Kragen. Auf den Bildern haben alle einen roten Kragen. Es haben auch alle eine Nummer auf dem Hemd. Ausser der Österreicher, dem wurde sie wegradiert. Dafür hat Barnetta die Nummer 22 – obwohl er im richtigen Leben jeweils mit der 16 aufläuft. Viel interessanter als sein offenbar falsches Leibchen sind aber die Dreckflecken darauf. Sieht schön aus.

Apropos Schweizer und falsche Leibchen: Was ich aus dramturgischen Gründen bisher verschwiegen habe, ist der zweite Schweizer, den ich in den Tütchen fand: Xavier Margairaz (Nummer 66). Sein Trikot ist sauber. Und vor allem ist es nicht dasselbe, das Barnetta trägt. Barnetta hat einen roten Kragen, einen engen Rundhalsausschnitt und auf der rechten Brust (s)eine Nummer. Margairaz hat einen weissen Kragen, einen weiten V-Ausschnitt und keine Nummer auf der Brust. Wenigstens sind beide Trikots rot und haben das SFV-Logo drauf.

Drum gilt auch 2008: Hände weg von diesem Schrott! Wer im Zusammenhang mit Fussball unbedingt Geld ausgeben will, soll sein Panini-Geld (also mindestens 111 Franken) doch lieber der Juniorenabteilung des nächsten und/oder liebsten Fussballklubs spenden.