Wie die meisten Computeranwender habe ich keine grosse Ahnung von den Abläufen in einem PC oder Mac. Ich arbeite damit, und wenn er abstürzt, fluche ich. Gleichzeitig habe ich eine blühende Fantasie. Als Michel einmal dabei war, ein bisschen Staub aus meinem PC zu saugen, bat ich ihn aufzupassen, damit er nicht die ganzen kleinen Datein mit raussaugt. Das brachte mir einen strafenden Blick und Verachtung ein. Dabei finde ich die Vorstellung, dass die Dateien irgendwo ganz ganz klein im PC vorhanden sind, um einiges romantischer als die Realität von 0 und 1.
Und darum für alle, die auch etwas für Computerromantik übrig haben, meine Vorstellung davon, wie ein PC wirklich funktioniert (und diejenigen, die am binären Zeugs festhalten wollen, hören jetzt hier auf zu lesen und glauben weiterhin daran, dass die Welt eine Kugel ist):
Wenn man den PC einschaltet, ist es, wie wenn man in einem Bürohaus das Licht anmacht und der neue Arbeitstag beginnt. Der Prozessor ist dabei so etwas wie der Vorzimmerdrache (Chefsekretärin) des Chefs, der dafür sorgt, dass alle arbeiten. Wenn man einen guten Prozessor hat, arbeiten alle schnell, weil die Chefsekretärin die ganze Bande auf Trab hält. Das Betriebssystem ist der Chef: Macht zwar nicht viel, aber ohne geht es irgendwie nicht. Die RAM sind die kleinen Typen, die die Datein hin- und hertragen. Wenn man zu wenig davon hat, nützt auch der giftigste Vorzimmerdrachen nichts. Schliesslich hat auch von denen jeder nur zwei Hände und kann nur eine bestimmte Anzahl Daten tragen. Sie sind meist in Vierergruppen unterwegs, weil die Daten oft zu schwer für einen RAM allein sind.
Wenn man jetzt also ein Dokument öffnen will, gibt man den entsprechenden Befehl ein, der dann bei der Chefsekretärin landet und die schickt sofort eine Horde RAM auf die Festplatte, um die Datei zu holen, wo sie irgendwo in einer Schublade liegt. Die RAM holen die Datei und legen sie auf den Bildschirm, damit man sie ansehen und bearbeiten kann.
Einen Computerabsturz gibt es dann, wenn die Chefsekretärin wieder mal überarbeitet ist, einen Nervenzusammenbruch hat und schreit: «Jetzt kann ich wirklich nicht mehr, immer nur mach dies, rechne das, delegiere dort... Macht doch euern Scheiss allein, ich geh jetzt eine rauchen!» Dabei ist sie Nichtraucherin und macht darum diese Drohung gar nicht wahr, sondern geht nur kurz an die frische Luft. In seltenen Fällen greift sie aber tatsächlich zur Zigarette. Das riecht man dann sofort, weil bestimmt irgendwo etwas zu schmoren beginnt. Schliesslich ist im ganzen PC striktes Rauchverbot. Am häufigsten wird übrigens heimlich in der Nähe des Netzteils geraucht, das dann durchschmort und so den ganzen Betrieb lahmlegt. Das Netzteil ist nämlich die Kantine des Betriebs, wo sich alle ihr Essen und Trinken holen. Und wer Hunger und Durst hat, arbeitet nicht, wenigstens im PC.
Ein weiteres Problem sind Viren. Meist ist der Chef die Schwachstelle und wird als Erster krank. Wenn sich das unter den Mitarbeitern rumspricht, bricht das Chaos aus. Vor allem die RAM sind eine ganz undisziplinierte Bande, die dann gar nichts mehr macht, da kann der Vorzimmerdrache schreien, so viel er will. Wenn der Chef einen fiesen Virus erwischt, verliert er völlig den Verstand und macht allerlei komische Sachen. Zum Beispiel schickt er die RAM auf die Festplatte und befiehlt ihnen, alles zu löschen. Darauf bewaffnen sich die RAM mit Radiergummis und radieren alles aus, was auf den kleinen Dateien zu sehen ist. Dass man Sachen auf dem PC löschen kann, ist nämlich ein Missverständnis. Es wird nur ausradiert, das Papier kann man nochmal brauchen. Drum werden Sachen, die man als Anwender in den Papierkorb legt, nicht gelöscht, sondern nur radiert. Das mit dem Papierkorb wurde nur eingeführt, damit der Anwendern nicht verwirrt ist, schliesslich radiert im richtigen Leben ja niemand seine alten Briefe aus, sondern wirft sie weg.
Wenn man sich eine neue Festplatte kauft, heisst das auch nichts anderes, als dass man sich einen Raum mit ganz viel Aktenschränken voller leerer Papierchen kauft. Und die RAM müssen die Papierchen dann vollschreiben und archivieren.
Wenn man etwas Bleibendes will, dann brennt man sich am besten eine CD. Dafür braucht es einen CD-Brenner. Der schlägt die Daten mit Hammer und Meissel in die CD, damit sie keiner wieder ausradieren kann. Darum sind CDs virenresistent.
So funktioniert ein Computer also wirklich. Schön, nicht?