Mittwoch, 22. Juli 2009:
Vor zwei Tagen stach Alinghi 5 zum ersten Mal in See und deshalb wollte ich den Riesenkatamaran mit eigenen Augen sehen. Also rein in den Zug und auf an die Gestade des Lac Léman! Dort gab es auch viel zu sehen, ausser einem America's-Cup-Katamaran. Aber der Reihe nach.
Um an einer möglichst günstigen Position zu stehen, suchte ich mir Vevey als Standort aus. Da ich noch nie in diesem Städtchen war, nutzte ich die Gelegenheit um es ein wenig kennen zu lernen. Mein erster Eindruck: Vevey ist ein grosser Parkplatz mit Seeanstoss.

Dass das der Sache nicht gerecht wird, wurde mir klar als ich später bei Wikipedia nachlas, dass dieser Platz der zweitgrösste Marktplatz Europas sein soll; nur übertroffen von dem in Lissabon. Und alle 25 Jahre kann man den ganzen Platz auch noch für was anderes als Gemüse und Autos brauchen: Wenn die Fête des vignerons gefeiert wird. Das macht auch diese zwischen zwei Parkreihen eingequetschte Bodenplatte deutlich.

(Hey, Vevey, dazu zwei Fragen: 1. Gäbe es keinen schöneren Ort für eine solche Platte? Und was macht ihr eigentlich in 100 Jahren, wenn das Ding voll ist?)
Am See sah es dann auch eher trostlos aus, zumindest was grosse Katamarane betraf. Keine Alinghi (obwohl auf Twitter behauptet wurde, es würde gesegelt).

In die andere Richtung sah es übrigens nicht besser aus. Also sah ich mich nach anderen Attraktionen Veveys um und fand Überreste eines Festmahls von Riesen, die in alten Zeiten hier gehaust haben müssen. Einer hat seine Gabel vergessen.

Dann doch noch ein Segelschiff!

Nein, nicht die Alinghi. Aber das erste in einer Reihe von Wasserfahrzeugen, die alle auch nicht die Alinghi waren.

Nö, auch nicht.

Erst recht nicht! Beim nächsten war die Grösse schon besser, aber der Antrieb total falsch.

Zu guter Letzt sah ich noch ein paar Optimisten. Was sich in diesem Fall auf die Bootsklasse und nicht auf die Segler bezieht. Über den Gemütszustand Letzterer ist mir nichts bekannt.

Den Humor verlor ich trotzdem nicht, was in der Gesellschaft Charlie Chaplins auch ein Faux-pas gewesen wäre.

Er steht übrigens da rum, weil er in Vevey gelebt hat und auch dort gestorben ist. Haben wir wieder was gelernt.
Trotzdem wollte ich die Alinghi noch sehen und mit einem fetten Objektiv, ein bisschen Fantasie und einer halbwegs ruhigen Hand habe ich sie an ihrem Liegeplatz in Le Bouveret doch noch erwischt. Hier das Suchbild:

Wers nicht findet: Bildmitte ins Visier nehmen. Der lange schwarze Balken mit der roten Spitze und dem Schweizerkreuz ist der Mast.
Bilanz des Tages
Zeitaufwand: 5,5 Stunden
Bilder gemacht: 49
Anzahl kurzer Regenschauer, die zu erdulden waren: 4
Schiffe gesichtet: ~60
Davon America's-Cup-Katamarane: 0,5
So kanns gehen...