Porträt der norwegischen Waldkatze  

Katzen gibt es in den Wäldern Norwegens schon lange. Eine offiziell anerkannte Rasse sind sie jedoch erst seit 1977. Damals konnte sich die Fifé (Fédération Internationale Féline) dazu durchringen, diese Halblanghaar-Katzen in ihren Rassenkatalog aufzunehmen.

Der aktuelle Rassestandard sieht grosse Katzen vor. Weiter soll der ideale Norweger einen Kopf in Form eines gleichschenklichen Dreiecks haben, Pinsel auf den Ohren und einen Schwanz, der mindestens bis zu den Schulterblättern, lieber aber bis zum Nacken reicht. Das Fell besteht aus dichter Unterwolle und langen, fetthaltigen und damit wasserabweisenden Deckhaaren. Die Pfoten sind gross und rund mit Haarbüscheln zwischen den Zehen. Die Beine sind kräftig und lang, die Hinterbeine sind länger als die Vorderbeine.

So weit die Theorie. In der Praxis wird sich aber kaum jemand eine Katze nur wegen ihres Aussehens kaufen. Darum hier noch einige Sätze zum praktischen Zusammenleben mit norwegischen Waldkatzen und zu ihrem Charakter.

Die Katze aus der Zucht
Wir haben unsere Katzen aus seriösen Zuchten, wo sie sehr gut sozialisiert und erzogen wurden. Das heisst konkret, dass beide Katzen stubenrein waren und auch genau wussten, was Kratzbaum ist, als wir sie von der Züchterin holten. Es hat keine an den Möbeln gekratzt oder die Vorhänge als Klettereinrichtung verstanden. Sie waren vom ersten Tag an zutraulich und freundlich. Das hängt einerseits mit dem Charakter der Norweger, aber halt auch mit dem behüteten Aufwachsen bei den Züchterinnen zusammen. Natürlich haben solche Katzen ihren Preis, in der Regel kostet so ein Tier zwischen 1200 und 1500 Franken. Dafür erhält man allerdings nicht nur eine Katze, sondern auch jede Menge Service. So findet vor dem Katzenkauf eine Besichtigung des Wurfes bei der Züchterin statt. Man sucht sich dort seine Katze erstmal aus, mitnehmen kann man sie dann noch nicht. Es gibt zunächst ein Gespräch, in dem die Züchterin die Eigenheiten und Bedürfnisse der Katzen erklärt und den künftigen Besitzern allerlei Fragen stellt. Dabei müssen sich Züchterin und Besitzer finden. So gibt es Züchter, die keine Katzen als Einzeltiere oder an Plätze mit unkontrolliertem Freigang vermitteln.
Nach dem Gespräch wird ein Übergabetermin ausgehandelt, in einigen Fällen möchte die Züchterin bereits eine Anzahlung. Am Tag der Übergabe bekommt der neue Besitzer die Katze, einen Kaufvertrag und ein wenig Futter, das sich die Katze gewöhnt ist. Den Stammbaum bekommt man erst später zugeschickt, wenn man als offizieller Besitzer eingetragen ist. Zu diesem Zeitpunkt wird das Tier auch bezahlt.
Nach ein paar Tagen wird sich die Züchterin bei den Besitzern melden, für Fragen zur Verfügung stehen und selber ein paar stellen. Wer Wochen, Monate oder gar Jahre nach dem Katzenkauf Probleme mit seiner Mieze hat und nirgendwo Hilfe findet, kann immer noch die Züchterin anrufen. Die meisten helfen gerne und bereitwillig, da ihnen das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt.
Seriöse Zuchten erkennt man übrigens daran, dass die Jungtiere in der Wohnung bei den Menschen gehalten werden, dass sie sauber und gesund sind und ihre Mutter bei ihnen ist. Die meisten Züchter sind Miglied in einem Verband, bei den norwegischen Waldkatzen ist das beispielsweise Swiss Skogkatt. Wenn man Zweifel an einer Zucht hat, kann man dort nachfragen.

Der Charakter
Norwegische Waldkatzen sind trotz ihres wilden und ursprünglichen Aussehens sehr menschbezogene, zutrauliche Tiere. Sie wissen gerne Menschen um sich und freuen sich, wenn man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, manche plaudern auch gerne. Kuschelkatzen sind sie jedoch nicht. Sie lassen sich zwar gerne streicheln und kraulen und legen sich auf dem Sofa oder im Bett auch gerne mal neben einen - aber immer mit einem gewissen Sicherheitsabstand. Sie suchen die Nähe des Menschen, aber nicht unbedingt den Körperkontakt. Norweger können ihre Streicheleinheiten vehement einfordern, man geht darauf ein und fünf Minuten später verschwinden sie zufrieden wieder. Meist legen sie sich dann nur einen oder zwei Meter entfernt irgendwo hin und dösen.
Norwegische Waldkatzen sind neugierige, intelligente und (meist) mutige Tiere mit ausgeprägtem Entdeckertrieb. Sie interessieren sich für alles, seien es andere Katzen, Besuch aus dem Bekanntenkreis oder die Werkzeugkiste eines Handwerkers, die plötzlich in «ihrer» Küche steht. Auch leere Kartonschachteln oder Taschen sind äusserst faszinierend und werden gerne in Besitz genommen.
Die Norweger sind sehr duldsam und tolerant. So können wir unsere beiden ohne Probleme an die Leine nehmen und mit ihnen draussen spazieren. Sogar lange Autofahrten sind mit ein bisschen Übung kein Problem, wenn sie auch keine Begeisterung bei den Katzen auslösen. Beide Katzen fahren mittlerweile ohne Transportkorb mit. Zur Sicherheit tragen beide eine Leine, damit man sie davon abhalten kann, im Fahrerfussraum herumzuklettern oder auf einer Raststätte abzuhauen. Im Normalfall liegen beide irgendwo auf einem Sitz rum und warten, bis die Fahrt vorbei ist. Allerdings achten wir bei langen Fahrten (alles, was über 40 Minuten dauert) darauf, dass wir abends oder nachts fahren, wenn es im Auto kühl ist, da sie zumindest in der Gewöhnungsphase ein wenig gestresst sind und schwitzen (über die Pfoten). Wenn es dann noch heiss ist im Auto, ist ihnen äusserst unwohl. So hielt es Smule bei einer acht Stunden dauernden Fahrt durch Schnee und Eis (vom Tessin nach Mühledorf) klaglos aus. Das A und O dabei ist, dass die Katze sich an das Autofahren gewohnt ist und es nicht nur mit Tierarztbesuchen in Verbindung bringt.

Die Probleme
Jede Rasse hat so ihre Achillesferse, bei den Norwegern sind es wohl die Zähne und das Zahnfleisch. Entzündetes Zahnfleisch ist auch bei Hauskatzen verbreitet, aber die Norweger scheinen mir da ein wenig anfällig zu sein. Bei Smule hat es sogar dazu geführt, dass wir vor der Wahl standen, ihr das Leben lang Cortison zu geben oder ihr alle Zähne operativ entfernen zu lassen. Wir haben uns für die Operation entschieden, da Cortison auf Dauer die schlechtere Lösung gewesen wäre. Smule lebt auch ohne Zähne glücklich. Da Katzen ihr Futter sowieso eher verschlingen als zerkauen, hat sich in diesem Bereich nicht viel geändert. Man muss ihr halt das Frischfleisch kleiner schneiden und bei Trockenfutter darauf achten, dass es nicht aus grossen Stücken besteht.
Die Fellpflege ist nicht sehr aufwändig. Trotzdem sollte man sie im Winter und vor allem auch im Frühling, wenn sie ihr Winterfell verlieren, etwa einmal wöchentlich kämmen oder bürsten. Am besten gewöhnt man sie von klein auf daran, dann geniessen sie die Fellpflege. Die Unterwolle verfilzt gerne, die Knöllchen schneidet man am besten mit einer Nagelschere aus dem Fell, solange sie noch klein sind, sonst hat man bald eine total verfilzte Katze.

 

Noch Fragen?

Weitere Fragen zu norwegischen Waldkatzen beantworte ich (so weit ich kann) gerne per E-Mail.