5 von 10 Punkten, 314 Seiten, erschienen 2008, Diogenes, Sparte: Belletristik; Datum der Rezension: 21. November 2009
Inhalt:
Der Kunsthändler und Multimillionär Adrian Weynfeldt handelt gegen seine Gewohnheiten, als er eines Abends die hübsche Lorena, die er in einer Bar kennen gelernt hat, mit nach Hause nimmt. Als sie am nächsten Morgen droht, Selbstmord zu begehen und von seinem Balkon zu springen, kann Weynfeldt sie davon abhalten und beginnt so eine fatale Beziehung, während der er noch öfter zu für ihn ungewohnten Mitteln greifen muss.
Meine Meinung:
Adrian Weynfeldt mangelt es nicht an Geld, aber ganz eindeutig an einem ehrlichen Umfeld. Seine Freunde teilen sich in zwei Kategorien auf: Zum einen die alten Säcke, die selber Geld haben und für die Weynfeldt einer von vielen Bekannten ist. Zum anderen sind da die jungen Schmarotzer, alles mässig erfolgreiche Leute in künstlerischen Berufen, die sich in harten Zeiten stehts auf ein Darlehen vom guten Weynfeldt verlassen können. Dafür ertragen sie auch seine Gesellschaft. Nicht, dass Adrian Weynfeldt schwer zu ertragen wäre, im Gegenteil. Der Mann ist von ausgesuchter Höflichkeit und grosszügiger, als man auch mit dickem Portemonnaie sein sollte.
So gesehen kann man die Geschichte um den einsamen, reichen Mann als die Geschichte einer Emanzipation lesen. Während Weynfeldt am Anfang des Buches Geld verteilt, als wäre es nicht seins, tut er das zwar am Ende der Geschichte immer noch; aber er hat dazugelernt und (eben auch mit Hilfe seines Geldes) seine so genannten Freunde hereingelegt – das war ihm am Anfang der Story schlicht nicht zuzutrauen. Schade ist nur, dass die Emanzipation nur eine halbe ist und er es für sich behält, wem er wie auf die Schliche gekommen ist.
Wenn Weynfeldts Emanzipation vom blauäugigen Gutmenschen zum durchtriebenen Gutmenschen nur halb gelungen ist, so gilt das leider auch für das Buch. Während Suters Kurzgeschichten über die Business Class äusserst gelungen sind, so musste ich leider feststellen, dass sein Stil offenbar nicht für längere Bücher taugt. Der Mann scheint nur ein Erzähltempo zu beherrschen und diese Gemächlichkeit über 300 Seiten am Stück zu ertragen, ist dann schon viel verlangt. Und dann war es leider auch so, dass die Pointe der Geschichte total vorhersehbar war. Schade!
Suters Stärke liegt definitiv woanders: Er kann in wenigen Sätzen Leute charakterisieren, mit wenigen Worten ganze Bilder entstehen lassen und mit ein paar angedeuteten Biographie-Eckpunkten ganze Charakterprofile überflüssig machen. Das hat er auch in «Der letzte Weynfeldt» bestens hinbekommen und dafür habe ich auch seine Business-Class-Geschichten geliebt. Aber nach spätestens 80 Seiten sollte Schluss sein – weiter trägt sein Beschreibungs- und Erzählmodell leider nicht.
Fazit:
Kann man gelesen haben, muss man aber nicht. Ich empfehle stattdessen Suters Kurzgeschichten aus der Business Class.