8 von 10 Punkten; Grafit Verlag; 217 Seiten; erschienen 2006, Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 6. Februar 2011
Inhalt:
Auf eine Zürcher S-Bahn wird ein Brandanschlag verübt. Zufällig sitzt Polizeihauptmann Fred Staub auch in dem Wagen. Als kurz darauf bei der Polizei ein Erpresserschreiben eintrifft, das die Übergabe von acht Millionen Franken durch Staub verlangt, fragt sich dieser, ob sich da jemand an ihm rächen will.
Mit seinen Kollegen macht er sich mit Hochdruck an die Aufklärung des Falles, in dem es zunächst so gut wie keine Spuren gibt.
Meine Meinung:
Endlich mal ein anständiger Krimi aus der Schweiz! Dieser erste Fall von Hauptmann Staub lebt zwar ein Stück weit vom Lokalkolorit, aber eben nicht nur. Auch der Rest dieses kurzen Romans ist anständig aufgebaut, gut geschrieben und in allen Facetten plausibel. Dabei verteilt Autor Solèr durchaus gerechtfertigte Seitenhiebe: So wundert sich keiner der Ermittler darüber, dass die Erpresser offenbar im Besitz einer Panzerfaust aus Armeebeständen sind – schliesslich sind die Waffendepots verhältnismässig schlecht gesichert und es kommt immer wieder mal was weg. So denkt sich Staub nicht zu Unrecht, dass sich wohl Kriminelle in halb Europa mit verschwundenen Waffen aus Schweizer Armeebeständen das Leben gegenseitig schwer machen.
Überhaupt fällt Staub als eher schlecht gelaunter Zyniker auf, aber im Gegensatz zu vielen anderen Krimikomissaren hat er sein Privatleben nicht schlecht im Griff und sein einziges Laster sind Zigaretten. Er wirkt symphatisch, wenn auch nicht fehlerfrei, und als Leser ist man immer sehr nahe an ihm dran: Kapitel, in denen Staub mitwirkt, werden jeweils aus seiner Sicht erzählt, so dass man jederzeit weiss, was er denkt. Und da ist er oft politisch nicht korrekt, aber ebenso oft witzig. Auch in brenzligen Situationen findet Staub schnell zu seinem trockenen Humor zurück, was manchmal das doch recht brutale Geschehen in dem Buch in den Hintergrund treten lässt.
Der Plot selber ist gut konstruiert und enthält am Ende ein Überraschungselement, das ebenfalls plausibel ist und nicht aus dem Hut gezaubert wirkt, wie es in anderen Krimis oft der Fall ist. Das alles, zusammen mit Ernst Solèrs gelungenen, manchmal ein wenig zwischen den Zeilen versteckten, Beschreibungen von Schweizer Eigenheiten und -arten macht diesen Krimi äusserst lesenswert.
Fazit:
Ich bin froh, dass es noch drei weitere Bücher um Fred Staub gibt und gleichzeitig traurig, dass keine weiteren dazu kommen werden, da der Autor 2008 verstarb. Sehr schade, hier musste ein sehr talentierter Schriftsteller diese Welt zu früh verlassen.