8 von 10 Punkten; Zsolnay Verlag; 284 Seiten; erschienen 1998, Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 24. Juni 2011
Inhalt:
Parker, seines Zeichens Berufsgangster, wird von einem pensionierten Beamten kontaktiert, der mit ihm ein Casinoschiff auf dem Hudson River ausrauben will. Dabei ist es die Aufgabe des Beamten, die nötigen Infos über das Schiff und wie es bewacht wird zu sammeln, während Parker ein Team zusammentrommelt, das den Überfall mit ihm durchzieht. Parker ist die Sache von Anfang an nicht geheuer, aber da der Gewinn beträchtlich ist, willigt er ein.
Meine Meinung:
Es ist das zweite Buch über Parker, das ich gelesen habe. Wie das erste, Fragen Sie den Papagei, bietet auch dieses harte Action, verpackt in einen schönen Plot und schnörkellose, präzise Sprache. Während Parker im letzten Buch der einzige Profi auf weiter Flur war, kann er diesmal mit Kollegen arbeiten, die das Geschäft genauso gut verstehen. Seine Mitgangster sind genauso hart drauf wie er. Als sich in einer Szene ein verzweifelter Mensch mit einer Überdosis Tabletten umbringt, meint Parkers Begleiter, dass man den Mann noch retten könne, wenn man schnell den Notarzt rufe. Worauf Parker nur sagt, dass man ihm doch seinen Willen lassen soll. Und damit ist das Thema dann auch schon wieder vom Tisch. (Wobei sie den guten Mann wahrscheinlich sowieso getötet hätten.) Da kann man schon mal leer schlucken ob solcher Gefühlskälte.
Trotzdem sind Parker und seine Truppe nicht unsymphatisch. Es sind einfach Leute, die ihrer Arbeit nachgehen und diese im eigenen Interesse möglichst perfekt machen möchten. Ein Versagen würde nämlich Verhaftung oder Tod (durch einen besorgten Kollegen) bedeuten. Entsprechend gehört eine gewisse Kaltblütigkeit dazu, wenn man es in diesem Geschäft zu etwas bringen will. Das merkt man immer wieder, wenn die Protagonisten in heiklen Situationen äusserst cool bleiben, Improvisation muss jeder beherrschen. Die Leute sind nicht nur Profis in der Handhabung von Waffen und Dietrichen, sie sind ausserdem halbe Psychologen, die glaubwürdig in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen können. Das wirkt höchstens ein bisschen unglaubwürdig, weil jetzt wirklich jeder in Parkers Truppe Nerven aus Stahl zu haben scheint.
Was das Buch neben den Charakterisierungen so flüssig zu lesen macht, ist die Geschichte. Diese ist zwar in zwei Sätzen skizziert, aber die Vorbereitungen und die Ausführung des Raubs (als Leser weiss man erst während des Überfalls, wie er im Detail geplant wurde) sind faszinierend zu verfolgen. Von den ersten Ideen zum Raub – den Parker zunächst für undurchführbar hält – bis zum fertigen Plan läuft ständig etwas. Mit Beschreibungen aller Art beschränkt sich der Autor aufs Nötigste, was der Geschichte ein ganz schönes Tempo gibt, ohne hektisch zu werden. Man könnte sagen, das Buch sei wie seine Protagonisten: unaufgeregt, in keiner Weise verspielt und gradlinig. Da passt wirklich alles zusammen.
Da ich mich schon im ersten Buch an Parker und seine Art gewöhnt hatte, konnte mich dieser Krimi nicht so ganz vom Hocker hauen wie der erste, weil der Überraschungseffekt weg war. Trotzdem steht es «Fragen Sie den Papagei» objektiv betrachtet in nichts nach.
Fazit:
Für Krimifans, die mal die andere Seite des Verbrechens kennen lernen wollen, ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen.