8 von 10 Punkten; Deutscher Titel: Der Ring des Salomo; 336 Seiten; erschienen 2010, Sparte: Fantasy; Datum der Rezension: 19. Januar 2012
Inhalt:
Bartimäus, der frechste Dschinn aller Zeiten, ist zurück. Während die Trilogie um den jungen Zauberer Nathaniel in der heutigen Zeit spielt, wird diesmal eine Geschichte erzählt, die sich zu Zeiten des grossen Königs Salomo zutrug – also etwa 1000 vor Christus. Bartimäus steht mit vielen anderen Geistwesen in den Diensten des ehrgeizigen Zauberers Khaba, der mit 16 weiteren Kollegen wiederum Salomo dient. Und Salomo selber hält den Laden unter Kontrolle, weil er über einen Zauberring verfügt, der Wesenheiten heraufbeschwören kann, die so mächtig sind, dass kein Mensch so recht weiss, was das überhaupt für Gestalten sind.
Salomo lebt in aller Pracht und das kostet natürlich. Da er über genügend Macht verfügt, kann er es sich leisten, die umliegenden Königreiche zu Schutzgeldzahlungen zu erpressen. Das geht gut, bis er sich mit der Königin von Saba anlegt, die die geforderten Abgaben nicht leisten will und ihm stattdessen die junge, talentierte Palastwächterin Asmira auf den Hals schickt. Sie soll Salomo töten und ihm seinen Ring nehmen.
Meine Meinung:
Nach ein paar Jahren Unterbruch fand ich es sehr erfrischend, wieder etwas von Bartimäus zu lesen. Besonders positiv finde ich dabei, dass es sich bei «Der Ring des Salomo» um einen Einzelband handelt, eine Trilogie hätte ich nicht nochmal gelesen. So hatte das Wiedersehen genau die richtige Länge und entsprechend habe ich es genossen.
Der Plot ist auch in diesem Buch relativ vorhersehbar, aber das ist angesichts der Zielgruppe kein negatives Kriterium. Zudem hat Jonathan Stroud einen Dreh in der Geschichte platziert, der im letzten Drittel des Buches so einiges in eine andere Perspektive rückt. Im Grossen und Ganzen lebt das Buch aber von Bartimäus, seinen Frechheiten und den sarkastischen Fussnoten. Da gibt es so manche Szene, in der man sich fragt, ob Bartimäus eigentlich mit Absicht Ärger sucht. Ein Beispiel dafür ist eine Szene, in der diverse Dschinn an Salomos Tempel bauen sollen – und zwar ohne Hilfe von Magie. Natürlich halten sich die Dschinn in unbewachten Momenten keineswegs an diese Vorgaben, aber Bartimäus ist der einzige, der zu seiner Arbeit ausserdem noch Spottlieder über Salomo singt und in einer Gestalt auftritt, die eine Karikatur einer der beleibteren Frauen des Königs ist. Trotz seiner 2000 Jahre, die er schon auf dem Buckel hat, scheint Bartimäus immer noch einen recht jugendlichen Geist zu haben, der ihn zu solchen Possen veranlasst. Daneben beweist er allerdings auch immer wieder psychologisches Geschick, indem er sein Gegenüber analysiert und mehr oder weniger geschickt manipuliert.
«Der Ring des Salomo» war für mich wie ein Besuch bei einem alten Freund, es hat kaum zwei Seiten gedauert, bis ich mich in Bartimäus' Welt wieder heimisch gefühlt habe, auch wenn das letzte Treffen ein paar Jahre her ist. Das liegt zum einen sicher daran, dass die Welt mit ihren Regeln und Besonderheiten recht überschaubar ist, zum anderen ist sie eben auch recht einprägsam gestaltet. Es hat mir Spass gemacht, sie für die Länge eines Buches wieder zu entdecken. Und auch wer noch keines der Bartimäus-Bücher gelesen hat, wird sich schnell zurechtfinden.
Fazit:
Ein äusserst gelungenes Jugend-Fantasybuch, an dem auch Erwachsene ihren Spass haben dürften.