6 von 10 Punkten; Emons Verlag; 585 Seiten; erschienen 2000, Sparte: Thriller; Datum der Rezension: 22. Juni 2005
Inhalt:
Eine Grupper reicher Männer beschliesst, Bill Clinton, Präsident der USA, umzubringen. Für das Attentat wird eine Gruppe von professionellen Killern engagiert, der Zeitpunkt ist der G-8-Gipfel im Juni 1999 in Köln. Die Terroristen rechnen mit allem, ausser mit Professor Liam O'Connor. Ein notorischer Säufer und Frauenheld auf der einen, aber auch ein brillanter Physiker auf der anderen Seite. O'Connor und seine Presseagentin Kika Wagner kommen den Terroristen auf die Fährte, es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit...
Meine Meinung:
«Lautlos» ist ein solider Thriller, der zwar spannend zu lesen ist, allerdings auf böse Cliffhanger am Ende der Kapitel verzichtet. So kann man das Buch (fast) jederzeit zuklappen ohne gleich Magenschmerzen vor Nervosität zu bekommen. Definitiv ein Pluspunkt.
Auch sehr schön ausgefallen ist die Figur Liam O'Connor. Ein wenig überzeichnet zwar, aber immer noch glaubwürdig. Wenn man mal davon absieht, dass er nicht nur ein Genie sondern auch noch «der schönste Mann Irlands» ist; das erinnert auf unangenehme Weise an Dan Browns Superhelden. Die anderen Charaktere bleiben etwas blass, obwohl sich Frank Schätzing grosse Mühe gegeben hat, ihnen Leben einzuhauchen. Aber es fehlt bei allen irgendwie das letzte Quäntchen. Vielleicht, weil sie – wie Kika Wagner – zwar wichtig sind, teilweise aber komplett aus der Geschichte verschwinden. Wie wenn Schätzing gerade keine Verwendung für sie gehabt hätte und sie darum irgendwo «abstellt». Gerade im Fall von Wagner stört mich das extrem: Sie ist stets präsent, ausser wenns richtig zur Sache geht. Ich kann sie sowieso nicht ernst nehmen. Ihre grösste Sorge scheint es zu sein, dass der wunderbare Liam wieder aus ihrem Leben verschwinden könnte und nicht, ob der Präsident der Vereinigten Staaten bald mit einem Loch im Kopf endet. Das würde zu einer 18-Jährigen passen, für eine 28-Jährige ist mir das zu unreif. (Und ich muss es selber wissen, da ich ja dieses Alter auch schon erreicht habe...)
Auch die andere Frauenfigur, die Terroristin Jana, kommt nicht so recht rüber. Man merkt zwar, dass sie eine ganz interessante Person ist, aber Schätzing lässt einen ziemlich lange im Dunkeln über ihre Beweggründe und ihre Motivation. Unglücklicherweise streut er die Informationsbröckchen über Jana immer dann ein, wenn man eigentlich gar keine Zeit hat, sich auf einen Charakter zu konzentrieren, weil die Geschichte rundherum grade so spannend ist. Nun ja.
Die Geschichte selber ist fast «rund». Aber wie man es sich bei einem Thriller ja schon gewohnt ist, gibt es am Ende noch die böse obligatorische Überraschung, mit der keiner gerechnet hat. Und wie es bei Thriller so üblich ist, bekommt man für die böse Überraschung und ihre Gründe nur noch eine halbherzige Erklärung mit symbolischem «ist halt so, lieber Leser», während vorher immer alles fein säuberlich erklärt wurde, damit der Leser bestimmt der falschen Fährte folgt. Obwohl ich mein Hirn beim Thrillerlesen immer im Sparbetrieb laufen lasse, war es bei «Lautlos» ein Leichtes, dahinterzukommen, wer denn da in der Geschichte ganz bestimmt nochmal auftauchen würde... Aber alles in allem kann man das Buch am Schluss zufrieden zuklappen. Was bei Thrillern eher selten der Fall ist.
Fazit: Ein schönes Buch zum Abschalten, aber keines zum Einschlafen.