3 von 10 Punkten; Fischer Verlag; 101 Seiten; erschienen 2001, Sparte: Drama; Datum der Rezension: 18. Februar 2006
Inhalt:
Monsieur Ibrahim ist «der Araber an der Ecke» in einem Pariser Vorort. Er hat einen Gemischtwarenladen, in dem der kleine Jude Moses einkauft. Moses lebt mit seinem Vater, einem griesgrämigen Anwalt, alleine und muss ihm den Haushalt besorgen. Da sein Vater nie lächelt, Monsieur Ibrahim aber ständig, entwickelt sich zwischen den beiden eine tiefe Freundschaft.
Meine Meinung:
Das Buch ist mit seinen 101 Seiten extrem schnell gelesen - zumal es wegen der grossen Schrift ziemlich wenig Text auf den Seiten hat. Ich habe dafür etwa eine Stunde gebraucht.
Fazit danach: Ich werde nicht schlau aus diesem Buch. Was will mir Eric-Emmanuel Schmitt mit dieser Geschichte sagen? Da ist Monsieur Ibrahim, der in sich selber ruht und offenbar ein glücklicher Mensch ist, auch wenn er es nicht einfach hat im Leben. Und dann ist da Moses, der einen Minderwertigkeitskomplex mit sich rumschleppt (den er seinem Vater zu verdanken hat) und den Fehler ständig bei sich selber sucht. Mit der Zeit fasst Moses mehr Vertrauen zu sich selber und findet schliesslich seinen Platz im Leben - nicht zuletzt dank Monsieur Ibrahim. Schön und gut, aber muss man darüber ein Buch schreiben? Und vor allem ein solches. Wegen seiner Kürze gibt es gar keine Zeit, die Charaktere schön zu entwickeln und sie leben zu lassen. Kaum hat man sich so halbwegs an die Protagonisten gewöhnt, ist das Buch auch schon wieder zu Ende. So etwas ist doch ziemlich enttäuschend.
Ich weiss, dass ich mich oft darüber beschwere, dass Autoren zu lange Bücher schreiben, bei denen es auch kürzer und knackiger gegangen wäre. «Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran» ist genau das Gegenteil davon. Zu kurz, zu kurz und nochmal zu kurz.
Und noch was: Eric-Emmanuel Schmitt macht sich auch des Etikettenschwindels schuldig. Schliesslich hat er angekündigt, zu jeder der grossen Weltreligionen ein Buch schreiben zu wollen. Das über Monsieur Ibrahim sollte wohl das über den Islam sein. Nur: Monsieur Ibrahim könnte genauso gut ein Christ, ein Buddhist oder ein Jude sein. Bis auf den Satz «Ich weiss, was in meinem Koran steht» gibt es keinen spezifischen Bezug zum Islam. Schlecht. Zum besseren Verständnis der Moslems trägt dieses Buch jedenfalls nichts bei, auch wenn es immer wieder als ein Aufruf zur Toleranz gerühmt wird. Natürlich ist es das, aber eben nicht mehr und nicht weniger. Nochmal: Muss man darüber wirklich ein Buch schreiben, das keine weitere Botschaft oder Erklärungen bietet? Also wirklich.
So, und jetzt höre ich auch schon wieder auf. Nicht, dass die Kritik noch länger wird als das besprochene Buch.