7 von 10 Punkten; Goldmann Verlag; 376 Seiten; erschienen 2005, Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 30. März 2006
Inhalt:
In Glennkill wird der Schäfer George mit einem Spaten ermordet. Er hinterlässt eine Herde fassungsloser Schafe, die sich vornehmen, den Mord aufzuklären - schliesslich mochten sie George sehr. Die Schafe ermittlen unter der Leitung von Miss Maple, dem klügsten Schaf von ganz Glennkill.
Meine Meinung:
Ein Krimi aus Sicht einer Schafherde erzählt. Kann das gutgehen? Jein. Für den Krimifan ist das Buch eher enttäuschend. Schafe sind schliesslich keine Kriminalbeamte. Für Menschen, die skurrile Bücher mögen, ist «Glennkill» jedoch beste Unterhaltung. Es fängt schon damit an, dass die (irischen) Schafe neben der Leiche ihres toten Chefs stehen und darüber beratschlagen, ob er überhaupt ein guter Schäfer gewesen sei - schliesslich trägt er einen Norwegerpulli, was darauf schliessen lässt, dass er die Wolle seiner Schafe gar nicht zu schätzen wusste.
Und in dem Stil geht es weiter. Die Schafe müssen nicht nur im Mordfall ermitteln, sie müssen teilweise auch herausfinden, wie die Welt der Menschen überhaupt funktioniert, schliesslich kannten sie nur die Lebensgewohnheiten ihres Schäfers. Das bietet der Autorin Leonie Swann natürlich Gelegenheit, immer wieder klamaukartige Szenen einzustreuen. Als beispielsweise die Rede davon ist, dass George irgendwo in seinem Schäferwagen Gras versteckt hat, trauen die Schafe ihren Ohren nicht. Wieso sollte jemand Gras drinnen verstecken, wo es doch ganze Wiesen voll damit gibt? Solche Szenen wirken zwar ein wenig gesucht, aber sie werden humorvoll geschrieben und da habe ich dann schon mal das eine oder andere Auge zugedrückt. Der Humor ist sowieso das tragende Element des Buches. Die Mordermittlungen und die Geschichten um die Dorfbewohner die (fast) alle Dreck am Stecken haben, sind lediglich ein Vehikel.
Mir hat es Spass gemacht, das Buch zu lesen, auch wenn es einige Längen und unnötige Wiederholungen hatte. Ausserdem ist es ziemlich anstrengend, ein Buch über Schafe zu lesen. Wenn man ein Buch über Menschen liest, kann man sich Gesichter zu den Namen vorstellen. Bei Schafen ist das doch ein bisschen schwieriger.