9 von 10 Punkten; dtv Verlag; 254 Seiten; erschienen 2006, Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 27. Oktober 2010
Inhalt:
Parker, seines Zeichens Profiganove, hat mit zwei Kollegen eine Bank überfallen und jetzt ist er auf der Flucht. Er trifft dabei auf den eigenbrötlerischen Tom Lindahl, der Parker für einen Gefallen gerne weiterhilft. Er braucht Parkers Hilfe, um seinen alten Arbeitgeber auszurauben. Parker gefällt das nicht, aber allein, unbewaffnet und ohne Geld in den Taschen bleibt ihm nicht viel anderes übrig.
Meine Meinung:
Ein Krimi, der aus der anderen Perspektive erzählt wird, nämlich aus der des Verbrechers, in diesem Fall Parker (der offenbar keinen Vornamen hat). Und das hat der Autor so gut hinbekommen, dass ich die ganze Zeit gehofft hatte, dass Parker nicht geschnappt wird. Er kennt zwar keinerlei Skrupel und wenn es nötig ist, tötet er einen Menschen, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber eben nur, wenn es aus Parkers Sicht nötig ist (um beispielsweise nicht geschnappt zu werden).
Als Leser merkt man bald, dass man es hier mit einem Profi zu tun hat, der keine Nervosität zu kennen scheint und sich auf jede Situation einstellen kann. Parker ist intelligent, manipulativ, nervenstark und manchmal stinkfrech um seine Ziele zu erreichen. Eigentlich wäre er ein prädestinierter Held, wenn er einem anständigeren Beruf nachgehen würde. Und so kommt es, dass ich mit einem Räuber und Mörder mitfieberte.
Das ist vor allem dem Talent des Autors zu verdanken, seinen Charakter Parker mit wenigen Sätzen und kurzen Einsichten in sein Innenleben nachvollziehbar und symphatisch zu machen. Und auch bei den anderen Charakteren hat ganze Arbeit geleistet. Obwohl der Rest des Personals vorwiegend aus Hinterwäldlern besteht, hat er doch jedem von ihnen eine eigene Geschichte und ein eigene Merkmale gegeben. Hinterwälder in zehn Versionen und jede davon gelungen.
Dank der Kürze des Buches bleibt es auf jeder Seite spannend, das Erzähltempo ist hoch, aber nie gehetzt und überhaupt hat es Richard Stark (respektive Donald E. Westlake, wie der Autor richtig hiess) geschafft, so ziemlich die perfekte Länge für die Geschichte zu finden. Auch der Plot ist sehr schön konstruiert und sauber ausgearbeitet. Der Autor versteht sein Handwerk ebenso gut wie Parker das seinige.
Fazit:
Auch wenn ich Parker im realen Leben nie begegnen wollte, literarisch war das zwar unser erstes, sicher aber nicht unser letztes Treffen.