Sam Savage – Firmin  

9 von 10 Punkten; Orion Books; 184 Seiten; erschienen 2006, Sparte: Sonstige Belletristik; Datum der Rezension: 11. Januar 2009

Inhalt:
Firmin ist die 13. Ratte in einem Wurf und deswegen schon von Anfang an benachteiligt, da die Mutter nur zwölf Zitzen hat und Firmin immer um sein Essen kämpfen muss. Da die Rattenfamilie versteckt im Keller einer Buchhandlung lebt, entdeckt Firmin Bücher als Nahrung – zuerst nur für den Körper, später dann auch für den Geist. Er lernt lesen und arbeitet sich durch grosse literarische Werke, Trivialeres und Sachbücher. Die Literatur (und später auch Kinofilme) sind seine einzig wahren Freunde in einem sonst einsamen Rattenleben.

Meine Meinung:
Selber hätte ich dieses Buch wohl nie gelesen, aber dann wurde es von meinem Lieblingskritiker Denis Scheck im Rahmen der Sendung «Druckfrisch» wärmstens empfohlen und so bekam es eine Chance. Innerhalb kurzer Zeit habe ich dieses aussergewöhnliche Werk förmlich verschlungen, gepackt hatte mich die Geschichte bereits nach den ersten Sätzen.
Mit Firmin hat Sam Savage einen Charakter geschaffen, der durch seine Schicksalsschläge zwar immer ein wenig trauriger wird, sich aber immer wieder hochrappelt und versucht, das Beste aus einer Situation zu machen. Er verliert sich zudem gerne in die wildesten Tagträume und schämt sich dessen keineswegs, sondern nimmt sich viel Zeit, in seiner Fantasie auch die kleinsten Details richtig hinzubekommen. Firmin weiss, dass er einem Aussenstehenden verrückt erscheinen würde, aber auch das kümmert ihn wenig – zumal da auch keiner ist, der ihn beurteilen würde.
Trotz seiner Einsamkeit – die auch daher rührt, dass er keine richtige Ratte und trotzdem kein Mensch ist – lässt er sich nie unterkriegen und versucht, sich sein Leben so einzurichten, dass es für ihn einen Sinn ergibt. Diesen findet er vor allem in der Literatur, sowohl in der Schönheit der Sprache und mancher Wörte wie auch im Inhalt, der oft von tragischen Existenzen wie der seinen handelt. Entsprechend ist auch der Grundton des Buches eher melancholisch, aber nicht nur. Da und dort gibt es auch Stellen, bei denen Ich-Erzähler Firmin so selbstironisch oder dann auch wieder so naiv ist, dass man sich zumindest ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.
Mit Firmin hat Sam Savage einen Charakter und ein Buch geschaffen, das ein Plädoyer für die Liebe zur Literatur und auch für die Liebe zum Leben ist – alles verpackt in eine ruhige Erzählung, die so viel Atmosphäre hat, dass ich mich gar nicht mehr von Firmin und seiner Buchhandlung trennen mochte.

Fazit:
Ein aussergewöhnliches Buch, das nicht nur Literaturfreunde geniessen können.