6 von 10 Punkten; Piper Verlag; 426 Seiten; erschienen 2003, Sparte: Thriller; Datum der Rezension: 2004
Inhalt:
Der israelische Geheimdienstagent und Bildrestaurator Gabriel Allon bekommt den Auftrag, ein Gemälde eines Zürcher Bankiers zu restaurieren. Als er die Villa betritt, findet er den Bankier tot auf. Er macht sich an die Aufklärung des Falles und wird dabei selber verfolgt, denn irgend jemand will nicht, dass der Mordfall Rolfe geklärt wird.
Meine Meinung:
«Der Engländer» ist ein sehr nett zu lesender Thriller, in dem es um von den Nazis erbeutete Kunstgegenstände, die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg und um Schweizer Banken geht. Dabei setzt sich der Autor Daniel Silva – neben den Actionszenen – auch mit der Schweizer Vergangenheit auseinander und das ziemlich präzise. Ich konnte in dem Buch keine gröberen Schnitzer entdecken, was mich erstaunt hat. Wenn nämlich ein amerikanischer Thrillerautor europäische Geschichte(n) zu Papier bringt, stellen sich einem meist die Haare auf, weil er sich die Geschichte so zurechtbiegt, wie es für seine Story erforderlich ist. Das macht Daniel Silva nicht, glücklicherweise. So ist nämlich ein interessantes Buch herausgekommen, aus dem man als Schweizer zwar nichts Neues erfährt, aber es ist ganz interessant, mal ein paar von unseren Bankiers und Polizeibeamten als «bad guys» in einem Buch anzutreffen. Die Geschichte spielt aber nicht nur in der Schweiz, sondern auch noch in anderen europäischen Ländern.
«Der Engländer» hat alles, was ein Thriller braucht: Spione, eine Verschwörung, die guten Jungs, eine zarte Liebesgeschicht, Schiessereien und wilde Autofahrten. Was aber ein bisschen fehlt, ist das Überraschungsmoment. Die Geschichte plätschert vor sich hin, ist sauber aufgebaut und unterhaltsam. Aber vom Hocker reisst einen dieses Werk nicht, es gibt keine dramatische Wendung (naja, im kleinen Rahmen schon) und keine bösen Überraschungen. Das kann auch positiv aufgefasst werden: Besser so als ein Thriller, der über 800 Seiten ein bestimmtes Ziel verfolgt und dann auf den letzten 50 Seiten eine komplett andere, unglaubwürdige Lösung auftischt. Davon gibt es leider genug, aber das gehört jetzt nicht hierher.