3 von 10 Punkten; Goldmann Verlag; 575 Seiten; erschienen 1995, Sparte: Science Fiction; Datum der Rezension: 19. Dezember 2009
Inhalt:
Die Geschichte spielt in etwa 150 Jahren und die Nanotechnologie beherrscht das Leben so ziemlich jeden Erdbewohners. So haben die Unterschichten zwar genügend Gratisnahrung, da man Reis inzwischen mit einer Art futuristischen Mikrowelle so gut wie aus dem Nichts kompilieren kann, dafür kümmert sich niemand um diese Leute. Staaten gibt es sowieso keine mehr, die Menschheit hat sich in Stämmen organisiert, die alle nach eigenen Regeln funktionieren. Dabei gibt es mächtige, reiche Stämme wie die Neo-Viktorianer, die Umgangsformen und einen Kleidungsstil wie zu Königin Viktorias Zeiten pflegen.
Unter diesen Neo-Viktorianern gibt es den besorgten Lord Alexander Chung-Sik Finkle-McGraw, der für seine Tochter nur das Beste möchte. Deshalb beauftragt er den genialen Ingenieur Percival Hackworth damit, für die Tochter eine interaktive Fibel zu schaffen, die ihr bis ins Erwachsenenalter alles beibringen sollte, was eine junge Dame von Stand wissen sollte, um nicht nur in ihrem Stamm zu überleben und es zu etwas zu bringen.
Hackworth programmiert die Fibel, zieht aber davon heimlich eine Kopie für seine eigene Tochter. Diese wird ihm allerdings von einer Strassengang gestohlen und gerät so in die Hände von Nell, einem kleinen Unterschichtmädchen, das in dem klugen Buch Trost und Zuwendung findet, die ihr von der eigenen Mutter versagt bleiben. Nell lernt nicht nur lesen, schreiben, Anstand und Selbstverteidigung, sondern noch sehr viel mehr, um sie zu einer starken, klugen Persönlichkeit heranreifen zu lassen.
Meine Meinung:
Bei diesem Buch ist mir etwas passiert, was ich bisher bei Stephenson-Büchern noch nie hatte: Ich konnte damit beim besten Willen nichts anfangen und es war eine Qual, es zu lesen. Wäre es nicht von Stephenson gewesen, wäre ich niemals bis zum Ende gekommen.
«Diamond Age» dürfte in derselben Welt angesiedelt sein wie «Snow Crash», einfach ein paar Jahrzehnte später. Es gibt auch ein paar Paralellen zwischen den beiden Büchern, sowohl was den Inhalt wie auch Stil betrifft. Wie schon in «Snow Crash» wird man als Leser mitten in eine unvertraute Welt geworfen und darf sich selber zusammenpuzzeln, wie die Gesellschaft organisiert ist. Während das in «Snow Crash» noch so halbwegs geht, ist es in «Diamond Age» einfach nur noch mühsam und nervtötend. Die eine oder andere Erklärung etwas früher im Buch würde viel zum Verständnis und damit auch zum Lesevergnügen beitragen. So kam ich mir öfter wie eine Archäologin vor, die über irgendeinem bedingt sinnvollen Textfragment brütet und erstmal mühsam versuchen muss, daraus schlau zu werden. Was leider meistens nicht gelang.
Ich bin es gewohnt, dass man bei Stephenson-Büchern nicht alles im ersten Anlauf versteht und dass es bisher jedesmal einen Gewinn brachte, ein Buch von ihm ein zweites Mal zu lesen. Aber mit «Diamond Age» kam ich so schlecht zurecht, dass ich es eigentlich nie mehr zur Hand nehmen möchte. («Snow Crash» ist übrigens auch kein Kandidat für einen Re-read – am besten hake ich das Frühwerk wohl unter «nett, aber nicht empfehlenswert» ab.)
Lustigerweise hat «Diamond Age» als einziger Roman von Stephenson den Hugo Award erhalten. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass das falsch gewesen ist; aber ich finde, jedes andere seiner Bücher hätte den Preis eher bis zehnmal mehr verdient gehabt als dieses Hirnwichse in Buchform.
Fazit:
Insgesamt eine Enttäuschung und definitiv nichts, das ich weiterempfehlen würde.