Neal Stephenson – Cobweb  

8 von 10 Punkten; Arrow Verlag; 384 Seiten; erschienen 1998, Sparte: Thriller; Datum der Rezension: 2. August 2009

Hinweis: Dieses Buch gibt es nicht in deutscher Sprache.

Inhalt:
Wir schreiben das Jahr 1990. An der East Iowa University wird ein arabischer Student umgebracht und ein anderer arabischer Student wird deshalb verdächtigt und auch verhaftet. Einzig Deputy Clyde Banks merkt, dass da etwas nicht stimmen kann. Der vermeintliche Mörder ist wahrscheinlich unschuldig, tut aber herzlich wenig, um seine Unschuld zu beweisen. Das bringt Banks auf die Idee, dass hinter dem Mord sehr viel mehr stecken könnte, als zunächst angenommen.
Und auch die CIA-Agentin Betsy Vandeventer stösst bei ihrer Analysearbeit auf Ungereimtheiten. So scheint es, als ob der Irak die Hilfsgelder der USA zu anderen Zwecken brauchen würde, als damit Getreide für die Bevölkerung zu kaufen. Vandeventer ist überzeugt, dass Saddam Hussein die Hilfsgelder in die Produktion von biologischen Massenvernichtungswaffen investiert. Eine Analyse, die in Washington einigen Staub aufwirbelt und dafür sorgt, dass Vandeventer isoliert wird, da ihre Nachforschungen gewissen Kreisen nicht genehm sind.

Meine Meinung:
In diesem (für Stephensonsche Verhältnisse) Kürzest-Thriller passiert von Anfang an ziemlich viel. Wie gewohnt gibt es auch mehrere Erzählstränge, zwischen denen wild hin- und hergehüpft wird, was zu viel Verwirrung während der ersten Hälfte führt. Auch die bei Stephenson üblichen Erzähl-Seitengassen, die Anfangs nichts zur Sache zu tun scheinen und dann trotzdem noch eine Rolle spielen, fehlen nicht.
Ebenso enthalten sind die typischen Charakterisierungen. Wie üblich sind sie auch in «Cobweb» eher holzschnittartig ausgefallen, was mich aber nicht stört. Ich habe (einmal mehr) den Eindruck, dass es in Stephensons Romanen nicht um die Personen an sich geht, sondern darum wie sie handeln und weshalb. Dabei verleiht Stephenson seinen Figuren gewisse Eigenschaften, die sie unverwechselbar und auch berechenbar machen. Der Nachteil: Es ist kaum eine Entwicklung der Charaktere möglich und die meisten ihrer Handlungen sind vorhersehbar. Das hat aber wiederum den Vorteil, dass man sich auf die (üblicherweise) komplexe Geschichte konzentrieren kann, ohne die Figuren gross im Auge behalten zu müssen. Das mag vielleicht sogar mit ein Grund sein, weshalb Stephenson offenbar mehr männliche als weibliche Fans hat.
Jedenfalls enthält dieses schmale Buch alles, was einen Roman von Neal Stephenson ausmacht und entsprechend war ich davon angetan. Dass es trotzdem nicht zu mehr Punkten gereicht hat, liegt daran, dass mir seine Monsterschinken doch noch besser gefallen, weil er dort mehr Zeit und Platz für Ausschweifungen, Beschreibungen und Einschübe, die nur der Unterhaltung dienen, hat. Zwar gibts das in «Cobweb» alles auch, aber halt nur in Kurzform.
Über den Wahrheitsgehalt oder die Plausibiltät der Geschichte möchte ich hier gar nicht spekulieren, da mir das Hintergrundwissen fehlt. Aber ich halte sowas durchaus für denkbar und habe mich beim Lesen sehr amüsiert, der Untertitel des Buches heisst nicht umsonst «a wickedly satirical thriller».

Fazit:
Ein guter Thriller, der im Vorfeld des ersten Irakkrieges steht und einmal mehr zeigt, dass es bei einem Krieg auf beiden Seiten wirklich böse Jungs gibt und dass diese meist nicht auf dem Schlachtfeld stehen, sondern irgendwo in der Teppichetage einer Regierung sitzen. Beste Unterhaltung, die ich sicher ein zweites Mal geniessen werde.