Wolf Serno – Der Chirurg von Campodios  

6 von 10 Punkten; Droemer Verlag; 591 Seiten; erschienen 2003, Sparte: Historischer Roman; Datum der Rezension: 2004

Inhalt:
Dieses Buch ist die Fortsetzung von «Der Wanderchirurg» von Wolf Serno. (Die Kritik dazu wird noch folgen, sobald ich das Buch noch einmal gelesen habe.) Vitus von Campodios, der Wanderchirurg und ehemaliges Findelkind, ist nicht nur über seine Herkunft im Klaren, er hat auch endlich zu seiner Familie in England gefunden, auch wenn diese nur aus dem alten Lord Collincourt und der verschollenen Arlette besteht. Als der alte Collincourt stirbt, ist sein letzter Wille, dass Vitus Arlette aufspürt und nach England zurück bringt. Vitus wünscht sich nichts sehnlicher, schliesslich ist er unsterblich in Arlette verliebt. Und da diese nur um sieben Ecken mit ihm verwandt ist, kommen da auch keine moralischen Bedenken auf. So segelt Vitus mit seinen guten Freunden, dem Magister Ramiro Garcia und dem Zwerg Enano, in die Karibik. Unterwegs muss er sich gegen Piraten wehren und auch auf Kuba gilt es manches Abenteuer zu bestehen.

Meine Meinung:
Ein flüssig geschriebener Roman, der so viel Action bietet, dass man ihn stellenweise gar nicht mehr aus der Hand legen will. Für Spannung ist eigentlich allzeit gesorgt. Es ist allerdings zu empfehlen, erst «Der Wanderchirurg» zu lesen, dann findet man viel schneller Zugang zu der Geschichte und hat die Figuren präsent. Sie werden zwar nochmals eingeführt, aber eher schlecht als recht. Wie jetzt was genau war, erfährt man nur peu à peu.
Etwas hat mich an dem Buch allerdings aufgeregt: Die schier unglaublichen Zufälle, die sich immer wieder ereignen. Da segelt einer in die Neue Welt um seine Angebetete zu finden. Er kommt aufgrund widriger Umstände nie an seinem eigentlichen Zielort an, aber – o Überraschung – die Gesuchte befindet sich nicht nur in der gleichen Stadt wie der Suchende, nein, sie laufen sich auch noch gleich über den Weg. Da brat mir doch einer 'nen Storch!
Was das Werk rettet, ist die Tatsache, dass nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht und nur die bösen Jungs aufs Dach bekommen, sondern zwischendurch auch liebgewonnene Figuren das Zeitliche segnen.