7 von 10 Punkten; cbj (C. Bertelsmann Jugendbuch) Verlag; 540 Seiten; erschienen 2004, Sparte: Jugendbuch/Fantasy; Datum der Rezension: Sommer 2005
Teil 3: Die Pforte des Magiers
Inhalt:
Die Geschichte handelt vom Zauberlehrling Nathanael, der den Dschinn Bartimäus beschwört, um sich an Simon Lovelace, einem schleimigen, bösartigen Zauberer zu rächen. Bartimäus soll Lovelace das Amulett von Samarkand stehlen. Der Dschinn gehorcht und damit stürzen sich Nathanael und Bartimäus in Schwierigkeiten, die sie eigentlich nie wollten...
Meine Meinung:
«Bartimäus – Das Amulett von Samarkand» spielt in London und handelt von einem 14-jährigen Zauberlehrling, der einen mächtigen Feind hat. Aha, das kennen wir doch, mag da so mancher ausrufen: Ein Harry Potter für Arme! Irrtum, kann ich da nur entgegenen. Jonathan Stroud hat zwar eine Zauberergeschichte geschrieben, dabei aber ein komplett anderes Universum geschaffen als J.K. Rowling. Bei Stroud leben die Zauberer in aller Öffentlichkeit und regieren sogar das Land. Und ihre Macht kommt nicht aus ihnen selber oder von Zaubersprüchen, sondern nur von der Beschwörung der Dschinn und anderer hilfreicher Geister.
Diese Dämonen sind nicht so liebenswürdig und diensteifrig wie etwa der Geist aus Aladins Wunderlampe, sondern hinterhältig, durchtrieben, faul, teilweise feige und immer darauf aus, dem Zauberer, der sie beschworen hat, eins auszuwischen.
So auch Bartimäus, der sich gar nicht darüber freut, dass er von einem Rotzlöffel wie Nathanael beschworen wurde. Die beiden werden sich nie richtig grün: Bartimäus verachtet Nathanaels Rechtschaffenheit (oder «erhabenes Getue», wie er es nennen würde) und Nathanale hat Mühe mit Bartimäus' lockerem Mundwerk. Trotzdem sind die beiden auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen und zur Zusammenarbeit gezwungen.
Die Erzählperspektive im Buch ändert fast von Kapitel zu Kapitel: Wenn es um Nathanael geht, wird aus der normalen Erzählerperspektive berichtet, wenn es um Bartimäus geht, kommt der Dschinn selber zu Wort. Das gab dem Autor die Gelegenheit, Fussnoten einzustreuen, in denen Bartimäus das aktuelle Geschehen kommentiert oder erklärt – natürlich immer mit viel Ironie und Gemeinheiten. Sowieso: Die Kapitel, in denen Bartimäus spricht, sprühen derart vor Witz und zum Teil sogar Zynismus, dass sich der Leser fast in einem dauerhaft grinsenden Zustand befindet.
Fazit: «Bartimäus – Das Amulett von Samarkand» ist eines der witzigsten Jugendbücher, das mir je untergekommen ist und deswegen verzeiht man dem Autor auch gerne die eigentliche Geschichte, die leider nicht sehr komplex ist. Aber das Buch ist ja das erste einer Trilogie, vielleicht entwickeln sich einzelne, nicht aufgelöste Handlungsstränge in den nächsten beiden Büchern noch ganz ordentlich.