7 von 10 Punkten; Diana Verlag; 633 Seiten; erschienen 2006, Sparte: Historischer Roman; Datum der Rezension: 11. August 2007
Inhalt:
Im Jahr 946 herrscht Otto der Grosse über weite Teile Mitteleuropas. Der Lothringer Raymond von Scharzfels gehört zu seinen wichtigsten und treuesten Rittern. Seine Tochter Eila ist ein ziemlicher Wildfang und verbringt ihre Zeit lieber mit dem Reiten und der Falknerei, statt Latein zu büffeln. Ganz im Gegensatz zu ihrer besten Freundin Rose, für die es nicht Schöneres gibt als Sprache und Dichtung. Der Roman begleitet das Leben der jungen Frauen über einen Zeitraum von acht Jahren.
Meine Meinung:
Brigitte Riebes historischer Roman fällt gleich mehrfach aus dem Rahmen: Zum einen behandelt er einen verhältnismässig kurzen Zeitraum, zum anderen ist er ähnlich wie ein Thriller aufgebaut. Der Leser erfährt früh, dass Ritter Raymond ein dunkles Geheimnis hat und dass offenbar auch seine Frau Oda Dreck am Stecken hat. Eine zwielichtige Gestalt, genannt «der Strick», und der Mönch Johannes kennen sich mit den jeweiligen Fällen aus und schmieden zunächst unabhängig voneinander und von Rachsucht getrieben dunkle Pläne gegen die beiden. Der Strick fällt zudem noch mit dem Handel von mutmasslich gefälschten Reliquien auf.
Neben dieser eher hässlichen Geschichten wird auch noch die der beiden halbwüchsigen Mädchen Eila und Rose erzählt. Auch diese haben ihr jeweils ihr Kreuz zu tragen, und als sich Eila in Lando, den Sohn des Schmiedes, verliebt, kommt es zur Katastrophe, beide Mädchen landen im Kloster. Während Rose ganz gerne dort ist, fühlt sich Eila eingesperrt und zeigt ihre rebellische Seite.
Was an dem Roman positiv auffällt, sind die Charaktere. Jeder ist unverwechselbar, keiner ist perfekt und die meisten gewinnt man schon nach kurzer Zeit lieb. Auch die Beschreibungen der Lebensumstände auf Burgen, am Hof und auch bei ganz normalen Leuten sind gelungen und rücken das schiefe Bild der «dunklen Zeit» ein wenig gerade. Riebe verzichtet zudem auf unrealistische Kampf- und Actionszenen, da die Spannung, die sie um die Vergangenheit ihrer Charaktere vollkommen genügt, um den Leser bei der Stange zu halten.
Aber das ist gleichzeitig auch der Schwachpunkt des Buches. Mir ging es zu lange, bis ich mal herausfand, was denn überhaupt los sein könnte und die ewigen Andeutungen können einem schon mal auf die Nerven gehen. Ein paar Andeutungen weniger und ein paar Infos mehr und schon hätte es eine gute Balance gegeben.
Fazit:
Ein gelungener historischer Roman, den vor allem Fans des Genres lesen sollten.