8 von 10 Punkten; Goldmann Verlag; 478 Seiten; erschienen 2008, Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 8. August 2011
Inhalt:
Psychologieprofessor Joe O'Loughlin lebt in Südwestengland und möchte eigentlich nur an der Uni Vorlesungen halten, die beiden Töchter betreuen und nebenbei noch den Kampf gegen seine Krankheit Parkinson führen. Allerdings wird er von der Polizei in ein Drama hineingezogen: Er soll eine Frau, die von einer Brücke springen will, genau davon abhalten. Noch während er mit ihr zu sprechen versucht, stürzt sie sich in die Tiefe. Bis zur letzten Sekunde führte sie dabei ein Handygespräch mit einem unbekannten Teilnehmer.
Als die Tochter der Selbstmörderin daran zweifelt, dass ihre Mutter freiwillig von der Brücke gesprungen ist, kommt auch O'Loughlin ins Grübeln. Könnte es sein, dass jemand die Frau einer Hirnwäsche unterzogen und sie in den Tod getrieben hat? Aber wer? Und weshalb? Bevor der Professor sich versieht, unterstützt er die Polizei bei ihren Ermittlungen.
Meine Meinung:
«Dein Wille geschehe» ist ein Psychothriller der besten Sorte: Unglaublich spannend, aber nicht übermässig brutal (die brutalsten Szenen des Buches dürften sich nur im Kopf des Lesers abspielen). Natürlich müssen Unschuldige sterben und das ist gar nicht schön, aber der Hauptfokus liegt auf der Ermittlungsarbeit und der Ergründung des Täters und seiner Motive. Als Leser bekommt man dabei immer kurze Einblicke in die Gedankenwelt des Täters und lernt zu begreifen, wie er tickt. Das macht sein Verhalten ein Stück weit nachvollziehbar, wenn auch in keiner Weise tolerierbar.
Neben der Mörderjagd spielt das Privatleben der Familie O'Loughlin eine wichtige Rolle. Da Joe krankheitsbedingt ein wenig kürzertreten muss, kümmert er sich mehr um die Kinder, während seine Frau als versierte Übersetzerin in ganz Europa herumreist, um beim Abschluss wichtiger Wirtschaftsdeals zu helfen. Die eigentlich harmonische Ehe bekommt Risse, als in Joe der Verdacht keimt, dass seine wunderschöne Frau vielleicht nicht treu ist. Das gibt dem Autoren Gelegenheit, vor allem Joe O'Loughlins Profil zu schärfen und dem Leser nicht nur den souveränen Psychologieexperten zu präsentieren, als den ihn die Umwelt wahrnimmt, sondern als einen kranken, verunsicherten Mann, der um seine Schwächen weiss und versucht, sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Da der Roman aus O'Loughlins Perspektive erzählt wird, lassen sich natürlich auch seine Gedanken verfolgen.
Die anderen Charaktere sind hübsch gezeichnet, aber man erkennt überall noch die Schablonen, aus denen sie gepresst wurden. Das hat mich während des Lesens aber nicht gestört. Ich hatte genug anderes Material zum Nachdenken und war froh, dass einige Protagonisten nach dem erwarteten Schema funktioniert haben. Dabei sind ein paar durchaus originelle Figuren darunter, über die ich in einem weiteren Buch gerne mehr erfahren würde.
Das Ende fand ich sehr gelungen. Zum einen hat die Art, wie der Täter gestellt wird definitiv einen «Ha, geschieht dir recht»-Effekt, auf der anderen Seite ist die Geschichte logisch zu Ende erzählt. Michael Robotham bleibt konsequent und verzichtet auf ein allzu rührseliges Happyend. Er lässt ebenso konsequent die Fragen zum Täter offen, die wohl auch im richtigen Leben nicht geklärt werden könnten. Ich bin froh, dass der Autor da (und nicht nur da) auf Kunstgriffe verzichtet hat.
Fazit:
Ein Schmöker, der sich zwar wegliest wie nichts, aber trotzdem Substanz hat und in dem Genre Psychothriller definitiv zu besseren Sorte gehört.