Morton Rhue – Boot Camp  

6 von 10 Punkten; Ravensburger Verlag; 250 Seiten; erschienen 2006, Sparte: Jugendbuch; Datum der Rezension: 3. Oktober 2006

Inhalt:
Connor Durrell ist ein Jugendlicher, der ein Verhältnis mit seiner Lehrerin hat. Das passt seinen Eltern nicht und so stecken sie ihn in ein so genanntes Boot Camp, wo er mittels Drill umerzogen werden soll. Das Erziehungssystem ist brutal, für die Camp-Bewohner scheint es keinen anderen Ausweg zu geben, als genau das zu tun und zu glauben, was von ihnen verlangt wird.

Meine Meinung:
Morton Rhue ist ein gutes Buch über eine erschreckende Realität gelungen. Das von ihm beschriebene Boot Camp gibt es tatsächlich. In den USA gibt es schätzungsweise zwischen 50 und 100 solcher Institutionen, die Kinder und Jugendliche im Namen der Eltern einer Gehirnwäsche und geistiger und körperlicher Folter unterziehen. In seinem Roman beschreibt Rhue detailiert, wie Connor ins Camp verschleppt wird, seine ersten Tage dort und wie er allmählich erkennt, dass er keine Rechte und keine Chance hat, sich zu wehren oder wieder aus dieser Hölle zu entfliehen. Das System ist clever aufgebaut. Gruppenbildung wird beispielsweise vermieden, indem die Jugendlichen aufgefordert sind, einander bei Regelübertretungen zu verpetzen. Wer es nicht tut, wird selber mitbüssen.
Beim Lesen des Buches stellen sich einem schon mal die Nackenhaare auf. Dass die Geschichte ganz aus Sicht von Connor geschildert wird, macht es dem Leser einfach, mitzufühlen und zu leiden. Es ist bis zum Schluss ein depremierendes Buch, was dem Thema durchaus angemessen ist.
Die einfache, aber dennoch ausdrucksstarke Sprache ist ein weiteres Plus des Buches. Es gibt keine reisserischen Ausdrücke, sondern nur eine Art nüchternes Protokoll, in dem Connor beschreibt, was er erlebt. Trotzdem sind seine Verzweiflung und seine Qualen spürbar. Das hinterlässt den grösseren Eindruck, als jede Beschreibung von blauen Flecken oder Blutlachen es könnte.
Einen Kritikpunkt habe ich aber noch was den Schluss betrifft: Die Wandlung Connors kommt für mich ein bisschen plötzlich. Wenn man vorher einen schönen Prozess beobachten kann, wie sein Widerstand immer wieder gebrochen wird, um dann neu aufzuflackern, ist der Schluss nicht ganz nachvollziehbar - zumindest auf den ersten Blick. Da hätte ich gerne noch ein paar Zwischenstufen mehr gesehen.