7 von 10 Punkten; Goldmann Verlag; 448 Seiten; erschienen 2005; Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 11. November 2011
Inhalt:
Detective Inspector Vincent Ruiz erwacht in einem Londoner Spital und stellt fest, dass er partiell das Gedächtnis verloren hat. Er weiss, wer er ist und was er in seinem Leben getan hat. Nur hat er keine Ahnung, weshalb er angeschossen im Krankenhaus liegt und was in den Tagen vor der Einlieferung passiert ist.
Seine Vorgesetzten verhalten sich ihm gegenüber feindselig und nach und nach erfährt er, dass er sich ausserhalb der Dienstzeit um den Fall eines kleinen Mädchens gekümmert hat, das vor drei Jahren spurlos verschwand und von allen für tot gehalten wird. Ausser von Ruiz und der Mutter des Mädchens.
Ruiz möchte natürlich herausfinden, weshalb er den Fall wieder aufgerollt hat, aber niemand scheint ihn bei seinem Vorhaben unterstützen zu wollen.
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist für den Leser mindestens so verwirrend wie für Vincent Ruiz selber. Die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt und so hat der Leser exakt denselben Wissenstand wie Ruiz. Wobei das nicht ganz stimmt, Ruiz weiss immerhin noch, was bei den Ermittlungen vor drei Jahren herauskam, der Leser (noch) nicht. Erst nach und nach ergibt sich ein Bild der Geschehnisse. Das sorgte zwar für hohe Spannung, weil ich wissen wollte, was los ist, aber leider hat Robotham einen recht komplexen Fall mit vielen Beteiligten entworfen. Dem hätte man auch in chronologischer Reihenfolge mit grosser Aufmerksamkeit folgen müssen, mit der häppchenweisen Bekanntgabe von Fakten wurde es natürlich noch schwieriger. Ich gestehe, dass ich bis am Ende gar nicht mehr genau wusste, wer jetzt wann was getan hat und was alles zusammenhängt.
Allerdings scheint Robotham nur mit so vielen Bällen jongliert zu haben, wie er zu beherrschen im Stande ist. Logiklöcher oder offene Fragen sind mir jedenfalls keine aufgefallen und das Ende hat er anständig hinbekommen. Auch die falschen Fährten, die er im Laufe der Geschichte legt, sind (auch dank Ruiz' Gedächtnisschwäche, die sich da manchmal als praktisches Mittel erweist) logisch eingebaut und so gut gemacht, dass die Auflösung am Ende eine richtige Überraschung, aber dennoch plausibel war.
Stilistisch hat mir der Nachfolgeband Dein Wille geschehe (der aus der Sicht des hier auch vorkommenden Psychologen Joe O'Loughlin erzählt wird) besser gefallen. Dort führt Robotham – passend zum Erzähler – eine etwas feinere Klinge, es gibt mehr Zwischentöne als in diesem recht einfach geschriebenen Krimi, in dem er vor allem auf Spannung setzt. Deshalb (und wegen der Komplexität) auch die um einen Punkt schlechtere Bewertung. Grundsätzlich hat man es hier mit zwei völlig verschiedenen Büchern zu tun, was aber für den Autoren spricht. Er scheint viel mehr zu können, als die ewig gleiche Leier anzustimmen und drum kann ich mir gut vorstellen, auch ein drittes Buch von ihm zu lesen.
Fazit:
Ein ziemlich verwirrender Krimi, der gut konstruiert und von der ersten bis zur letzten Seite spannend ist. Empfohlen für Denksportler und Leute mit gutem Gedächtnis.