8 von 10 Punkten; Goldmann Verlag; 382 Seiten; erschienen 1989, Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 23. Juni 2010
Inhalt:
In einem kleinen Kaff im ländlichen Yorkshire findet der Pfarrer den Bauern William Teys tot in der Scheune: Jemand hat dessen Hund getötet und anschliessend Teys mit der Axt den Kopf abgeschlagen. Neben der Leiche sitzt die Tochter des Ermordeten und behauptet, dass sie die Täterin ist. Nach ihrem Geständnis verfällt Roberta in eisiges Schweigen, was ihr die Einlieferung in eine psychiatrische Klinik einbringt.
Im Dorf will niemand an die Schuld der leicht debilen, aber herzensguten Roberta glauben. Also suchen Inspector Thomas Lynley und seine Partnerin Barbara Havers nach anderen Menschen, die einen Grund gehabt hätten, Teys den Kopf von den Schultern zu trennen.
Meine Meinung:
Der erste Fall des Ermittlerduos Lynley/Havers zeigt schon, wo die Reise in den kommenden Bänden hin geht: George liefert ihren Lesern nicht einzig einen Krimi mit spannender Mörderjagd, sondern auch noch die persönlichen privaten Tragödien der Ermittler plus Einblicke ins britische Klassendenken und dann tun sich natürlich auch bei den Verdächtigen, den Unverdächtigen und den tatsächlich Schuldigen immer wieder menschliche Abgründe auf. An diesem Rezept wird grundsätzlich durch die ganze Reihe festgehalten – ebenso wie an den immer wieder auftretenden unwahrscheinlichen Zufällen.
Kritisch betrachtet sind die Krimis von Elizabeth George also häufig eine Mischung von Lebensdramen, die in dieser Häufig- und Heftigkeit sonst nur in Liebesromanen (oder Daily Soaps) auftreten und nervenaufreibenden Mörderjagden, die leider oft eine unbefriedigenden Auflösung des Falls nach sich ziehen.
Trotzdem machen die Lynley-Krimis in den meisten Fällen viel Spass. Das liegt einerseits daran, dass der Leser wirklich miträtseln kann, weil er meist dieselben Informationen wie die Ermittler hat. Andrerseits kreiiert George immer wieder Charaktere, die auf verschiedene Weise faszinierend sind. Dabei greift sie natürlich immer wieder tief in den Klischee-Topf, macht das aber so geschickt, dass es kaum auffällt.
So gesehen ist dieser erste Fall, den Lynley und Havers gemeinsam lösen, eine Art Prototyp für alles, was folgen wird. Mit unter 400 Seiten ist das Buch auch kurz genug, für alle, die Elizabeth George noch nicht kennen und mal Probelesen möchten.
Fazit:
Trotz aller Übertreibungen und manchen kitschigen Szenen sind die Krimis von Elizabeth George vor allem eines: Gute Unterhaltung für Krimi- und England-Fans. Wer eins von beidem ist, sollte der Lynley-Reihe definitiv eine Chance geben.