C.S. Forester – Leutnant Hornblower  

9 von 10 Punkten; 238 Seiten; erschienen 1952, Sparte: Abenteuer; Datum der Rezension: 11. März 2012

Inhalt:
Anfang des 19. Jahrhunderts. Das britische Kriegsschiff «HMS Renown» ist auf dem Weg in die Karibik, unterwegs mit geheimen Befehlen, die nur der paranoide Kapitän Swayer kennt. Dieser terrorisiert seine Mannschaft, indem er sie immer wieder der Verschwörung gegen ihn bezichtigt und für vermeintlich konspirative Treffen harte Strafen austeilt. Als der Kapitän nach einem Sturz ausser Gefecht gesetzt ist, müssen seine vier Leutnants das Kommando übernehmen. Buckland, der ranghöchste von ihnen, trägt von nun an die volle Verantwortung, was den entscheidungsschwachen Mann in manche Krise führt, zumal eine spanische Festung angegriffen werden soll.

Meine Meinung:
Dies ist der zweite Band um Horatio Hornblower, den ich mir zu Gemüte führe (nach Der Kapitän). Hier ist Hornblower noch Leutnant, und zwar der rangniedrigste. Eine Position über ihm ist William Bush, der später zu Hornblowers Freund und untergebenem wird. Besonders Bush wird in diesem Band viel Platz eingeräumt, die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt und wurde ich als Leserin gleich doppelt verwöhnt, nämlich mit einer Aussensicht auf Hornblower und einer Innensicht auf Bush, der wie sein späterer Chef ein sehr symphatischer Charakter ist.

Hornblower stellt auch diesmal seine Intelligenz und sein strategisches Geschick unter Beweis. Erschwerend kommt für ihn diesmal dazu, dass er in der strengen Hierarchie der britischen Marine nicht einfach Vorschläge machen oder gar Befehle erteilen darf, da zum einen jeder Piep mit seinen Vorgesetzten abgestimmt sein muss und zum anderen die Lehrmeinung herrscht, dass der ranghöchste Offizier immer automatisch der ist, der alles am besten weiss und kann. Dass das in der Praxis natürlich nicht so ist, wissen wohl auch die Beteiligten, aber die Etikette muss auf jeden Fall gewahrt werden. Und so braucht Hornblower auch immer wieder eine Strategie, um seine Strategien bei seinen Vorgesetzten durchzubringen. Dabei geht er ebenso geschickt vor wie beim Kampf gegen die Spanier.

Auch dieses Abenteuer war wieder ein besonderer Lesegenuss. Auf den 238 Seiten passiert nicht viel mehr als man auf einer halben A4-Seite zusammenfassen könnte, aber es ist eben gut geschrieben. So sind auch detailreiche Beschreibungen von Segel- und Kampfmanövern nie langweilig und wenn ein Dialog mal etwas umständlich ist oder der Satz «Aye, aye, sir!» fast auf jeder Seite vorkommt, fällt das nicht negativ ins Gewicht. Im Gegenteil, dadurch wirken Handlungen und Dialoge sehr authentisch. Es war wieder mal eines der Bücher, in denen man richtig versinken kann.

Fazit:
Ich hatte beim Lesen fast das Gefühl, tatsächlich auf der Renown mitzusegeln. Es war eine fantastische Abenteuerreise und ich freue mich schon auf die nächste mit den Herren Hornblower und Bush.