Horst Eckert – Sprengkraft  

9 von 10 Punkten; Grafit Verlag; 410 Seiten; erschienen 2009, Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 6. März 2010

Inhalt:
Moritz Lemke ist ein ausgezeichneter PR-Journalist und eigentlich ein Linker. Aber er ist in Geldnot und deshalb nimmt er einen Auftrag der Partei der Freiheitlichen an, obwohl diese Gruppierung eher am rechten Rand steht. Lemke soll der Partei helfen, bei den nächsten Wahlen den Einzug ins Parlament zu schaffen. Die Partei setzt im Wahlkampf auf das Thema Muslime und deren Integration.

Gleichzeitig zeigt sich der junge Marokkaner Abderrafi Diouri ganz und gar nicht integrationswillig: Seit sein mit harten Drogen dealender Bruder erschossen wurde, gleitet Abderrafi immer weiter in ein extremistisches Umfeld ab, das den Islam über alles stellt und in dem man für junge, rechtgläubige und gewaltbereite Männer immer eine Aufgabe hat. Er soll mit zwei Kollegen einen Anschlag durchführen, was aber ziemlich daneben geht und der Polizei trotzdem einen Haufen Arbeit beschert.

Meine Meinung:
«Sprengkraft» ist die perfekte Mischung aus Krimi und Thriller. Denn einerseits geht es um die polizeiliche Ermittlungsarbeit im Umfeld von Dealern und Bombenbastlern, andrerseits ahnt man als Leser bald, dass in der Geschichte viel mehr steckt als nur dieser Fall. Horst Eckert schafft es auf 400 Seiten tatsächlich, die Mechanismen der Boulevardmedien aufzuzeigen, zu beschreiben wie aus einem netten, intelligenten und toleranten Linken ein überzeugter Streiter für die Argumente der Rechten wird, glaubwürdige Einblicke in das Leben und die Denkweise fanatischer Muslime (und ihrer Frauen) zu geben, dabei aber die normalen Muslime nicht zu vergessen, Vor- und Nachteile verschiedener Sprengstoffe zu erläutern und die Arbeit von Politik und Geheimdienst zu demontieren. Daneben wird noch ein alter Mord aufgeklärt und gleichzeitig ein Maulwurf in den Reihen der Polizei enttarnt.

Trotzdem wirkt der Roman keineswegs überladen oder hektisch, aber ziemlich intensiv. Durch zwei komplett voneinander getrennte Erzählstränge und eine recht grosse Gruppe handelnder Personen, empfiehlt es sich, dieses Buch nicht wochenlang herumliegen zu lassen, sondern es in vernünftiger Frist zu lesen. Das sollte aber niemandem schwer fallen. Horst Eckert kann gut erzählen und schafft es, seine Charaktere mit nur wenigen Sätzen so zu beschreiben, dass sofort ein Bild der äusseren und inneren Welten dieser Person entsteht.

Mir hat «Sprengkraft» sehr gut gefallen, was zum grossen Teil Horst Eckerts Talent zu verdanken ist, zwei unterschiedliche spannende Geschichten zu einem höchst aktuellen Thema in ein einziges Buch zu packen und trotzdem keine allzu grosse Verwirrung für den Leser zu stiften. Das Buch ist differenziert, zeigt unterschiedlichste Aspekte des interkulturellen Zusammenlebens und was daraus auf beiden Seiten entstehen kann. Dabei wird die Wertung ganz dem Leser überlassen (will ich einen verunglückten Bombenbastler jetzt bemitleiden oder soll ich denken, dass ihm recht geschieht?), was bei diesem Thema sicher nicht einfach zu bewerkstelligen war. Umso mehr: Chapeau, Herr Eckert!

Fazit:
Dieses Buch ist beste Unterhaltung auf hohem Niveau. Wer auf der Suche nach einem intelligenten und spannenden Pageturner ist, sollte an diesem Buch nicht vorbei gehen.