Horst Eckert – Schwarzer Schwan  

8 von 10 Punkten; 251 Seiten; erschienen 2011, Sparte: Krimi; Datum der Rezension: 21. April 2012

Inhalt:

Dominik Roth ist Polizist auf einem Abstellgleis. Eigentlich wäre er gerne bei der Mordkommission, muss stattdessen aber Betrugsfällen nachgehen. Deshalb hat er nichts dagegen, in der Freizeit verbotenerweise für die Detektei seines Kumpels Jochen Urban zu arbeiten. Er observiert Hanna Kaul, eine aufstrebende Bankerin, die grade Besuch von ihrer Nichte Leonie hat. Als Leonie entführt wird, bekommt Roth ein schlechtes Gewissen und bietet Kaul Hilfe an, zumal bei der Polizei davon ausgegangen wird, dass die Halbwüchsige einfach abgehauen ist.

 

Doch die entführte Nichte ist nicht Hanna Kauls einziges Problem. Sie hat den Verdacht, dass das oberste Bankmanagement in unsauberen Geschäften steckt. Als sie mehr darüber herausfinden möchte, wird sie von ihrem Chef gestoppt. Der Mann scheint Angst zu haben, fragt sich nur, wovor...

 

Meine Meinung:

Auch in «Schwarzer Schwan» mixt Horst Eckert gekonnt verschiedene Handlungsstränge und Fälle, die auf gewisse Art zusammenhängen. Einmal mehr empfiehlt es sich auch hier, an dem Krimi dranzubleiben, um nicht den Überblick zu verlieren.

 

Diesmal hat sich Eckert die Finanzbranche vorgenommen. Ob Eurorettung oder neue Spielregeln, um den nächsten Bankencrash zu verhindern: der Krimi ist hochaktuell und wahrscheinlich näher an der Realität als sich das so mancher Steuerzahler wünschen würde. Eckert lässt Bankenbosse und Politiker zynisch und kriminell agieren, er zeigt die enge Verflechtung von Politik und Wirtschaft auf, ohne dabei in Verschwörungstheorien abzugleiten. Er kann Wirtschaftskapitäne über Leichen gehen lassen und seine Story im Grossen und Ganzen trotzdem glaubwürdig gestalten. Das Agieren der Mächtigen ist dabei fast spannender als die zu lösenden Kriminalfälle.

 

Trotzdem konnte mich «Schwarzer Schwan» nicht so begeistern wie «Sprengkraft», das mir in den Details ausgefeilter schien. Grade was die Charaktere anbelangt, konnte mich dieses Buch nicht ganz überzeugen. Da gab es mir in den Nebenrollen zu viele Klischees und im Entführungsfall hatte ich die richtige Lösung ziemlich schnell erraten. Mir scheint, dass Eckert vor lauter Aktualitätsbezug und Zwischen-den-Zeilen-auf-Manager-Einhauen das Handwerk ein wenig vernachlässigt hat. Allerdings ist das in diesem Fall immer noch auf sehr hohem Niveau gejammert. Auch «Schwarzer Schwan» ist vollgepackt mit Geschichten und Geschichtchen und bietet Spannung auf mehreren Ebenen. Dazu kommt noch indirekte, wenn auch kaum verhehlte Kritik an der Finanzbranche und den Politikern, die den Geldspielen feige zusehen.

 

Fazit:

Ein sehr aktueller Krimi, der aufgrund der Bezüge zu realen Geschehnissen der letzten Monate so schnell wie möglich gelesen werden sollte.