Richard Dübell – Die Teufelsbibel  

7 von 10 Punkten; 468 Seiten; erschienen 2007, Sparte: Historischer Roman; Datum der Rezension: 5. April 2012

Inhalt:
Böhmen im 16. Jahrhundert. In einem Kloster bewachen Mönche eine geheime Schrift, die so genannte Teufelsbibel. Da dem Buch nachgesagt wird, dass es vom Teufel selber geschrieben wurde, sind ihre sieben Wächter speziell dafür abgestellt. Eines Tages rastet einer der sieben aus und massakriert die anwesenden Gäste des Klosters, darunter Frauen und Kinder, bis er schliesslich von einem Mitbruder gestoppt wird. Es gibt nur zwei Zeugen des Amoklaufs: Der achtjährige Andrej, der von einem Versteck aus zusieht, und ein Neugeborenes. Da Letzteres Fragen provozieren könnte, die im Kloster niemand beantworten möchte, befiehlt der Abt, es im Wald auszusetzen. Die Teufelsbibel und ihr Lagerort müssen auf jeden Fall geheim bleiben.

 

Meine Meinung:
An Die Pforten der Ewigkeit reicht dieser (früher publizierte) Roman nicht ganz heran. Die Bücher haben einige Ähnlichkeiten und deshalb hatten die überraschenden Wendungen bei mir nicht ganz den Knallereffekt, den sich der Autor wohl gewünscht hätte. Ich möchte nicht behaupten, dass der Plot vorhersehbar wäre, aber die Konstruktion ist praktisch zweimal dieselbe und so wusste ich ungefähr, wo Überraschungen zu erwarten sind. Trotzdem war es keineswegs langweilig, das Buch zu lesen. Dübell hat sich eine interessante Geschichte ausgedacht und vor allem in den Nebenrollen mit interessanten Charakteren besetzt. Die Hauptprotagonisten wirken grösstenteils austauschbar, mit Ausnahme von Pater Xavier, der eine der widerwärtigsten Kreaturen ist, die mir in meinem bisherigen Leserleben begegnet sind. Dem habe ich über viele Seiten hinweg einen grausamen Tod gewünscht. Auch das restliche Kirchenpersonal trägt nicht gerade zum guten Image bei, die Wächter der Teufelsbibel müssen mehr als einmal beweisen, dass sie in ihrem Job nicht zimperlich sein dürfen. Das Treiben der Mönche war der interessanteste Teil des Romans, aber nicht der Haupterzählstrang.
Dieser dreht sich um die Kaufmannstochter Agnes Wiegant und den Bäckersohn Cyprian Khlesl, die eigentlich nur zueinander finden möchten und so unversehens in eine viel abenteuerlichere Geschichte hineingezogen werden. Dort schien mir die Geschichte nicht so stark zu sein, Dübell folgte dort recht ausgetretenen Pfaden und so hatte ich das Gefühl, das alles irgendwo schon mal gelesen zu haben. Allerdings war das Niveau der Unterhaltung trotzdem anständig, es hat Spass gemacht, die Geschichte zu lesen. Ich fand sie keineswegs langweilig, aber sie hat mich nicht so von den Socken gehauen wie «Die Pforten der Ewigkeit». Es scheint fast, als hätte Dübell hier das geübt, was er später zur Meisterschaft brachte. Hätte ich dieses Buch zuerst gelesen, hätte es wohl den einen oder anderen Punkt mehr gegeben.

 

Fazit:
Ein schöner Historienschmöker mit einer originellen Geschichte, die kaum Längen hat und mit einem gut gemachten Ich-kann-das-Buch-jetzt-nicht-zuklappen-Finale aufwartet.