Jane Austen – Ãœberredung  

3 von 10 Punkten; 173 Seiten; erschienen 1817, Sparte: Klassiker; Datum der Rezension: 19. April 2012

Inhalt:
Anne Elliot ist die mittlere von drei Töchtern des verwittweten Adligen Sir Walter Elliot. Die 27-Jährige hatte sich acht Jahre zuvor in Frederick Wentworth verliebt (und er sich in sie), ihn aber nicht geheiratet, weil ihr davon abgeraten wurde. Zu unsicher schienen die Zukunftsaussichten des jungen Seemannes. Ob er eine glänzende Karriere hinlegen oder mit dem nächsten Kahn untergehen würde, war Annes Umfeld zu viel der Unsicherheit, weshalb sie ihm blutenden Herzens einen Korb gab.

 

Mittlerweile stellt sich die Lage etwas anders dar. Ihr Vater hat über seine Verhältnisse gelebt und muss sein Anwesen vermieten. Als Mieter findet sich ausgerechnet Wentworths' Schwager, was früher oder später dazu führen muss, dass Anne Wentworth wieder begegnet. Dieser hat inzwischen Karriere gemacht und ein anständiges Vermögen zusammengetragen. Er wäre inzwischen also eine gute Partie und Anne hat ihn nie vergessen. Die grosse Frage ist nun, wie Wentworth zu Anne steht. Konnte er ihr die Absage verzeihen? Liebt er sie immer noch?

 

Meine Meinung:

Eines hat mich dieses Buch gelehrt: Froh darüber zu sein, dass ich keine bessere Tochter im England des frühen 19. Jahrhunderts bin. Deren Leben war derart von (aus heutiger Sicht kaum mehr zu begreifenden) Konventionen und Anstandsregeln bestimmt, dass sie so gut wie keine Freiheiten hatten. Dass die Damen auf der anderen Seite auch nichts anderes tun mussten, als soziale Kontakte pflegen und möglichst hübsch und anständig zu sein, scheint mir kein guter Deal zu sein. Jedenfalls darf so ein Leben getrost als sterbenslangweilig bezeichnet werden und entsprechend fand ich auch Jane Austens Roman.

 

Es wird nichts anderes gemacht, als geklatscht und getratscht, auf Statussymbole geachtet und über Liebesdinge gewerweisst. Das mag zwar die damalige Lebensrealität abbilden und im vorliegenden Fall auch schön geschrieben sein, aber unterhaltsam finde ich das beim besten Willen nicht. Ich kann gut nachvollziehen, dass für Frauen wie Anne Elliot die Frage nach dem Mann fürs Leben tatsächlich die einzig wichtige, da alles entscheidende war. Insofern taugt der Roman als Anschauungsmaterial dafür, weshalb man froh sein sollte, im Hier und Heute zu leben.

So ist zum Beispiel auch über das Leben der Dienstboten nichts zu erfahren, es wird da und dort bloss erwähnt, dass sie existieren. Ansonsten werden sie sowohl von der Autorin wie auch von den Charakteren ignoriert. Nicht nett, zumal die guten Geister ziemlich sicher sehr viel Arbeit für wenig Geld verrichten mussten. Wahrscheinlich gehörte es sich einfach nicht, über Angestellte zu reden – auch wenn sie der einzige Grund dafür waren, wieso die Oberschichtler nur bis zur eigenen Nasenspitze oder keinesfalls weiter als bis zur nächsten Einladung überlegen mussten. In der Zeit scheinen alle die Arschkarte gezogen zu haben. Entweder war man unten und arbeitete sich krumm, ohne dafür wie ein Mensch behandelt zu werden, oder man war oben und musste um der guten Umgangsformen willen aus jedem Mückenfurz ein Drama machen.

 

Es ist also ein Roman über Frauen, die keinen Job haben und nicht mal einen Haushalt führen oder selber Kinder erziehen müssen. Wenn man das alles aus dem Leben eines Menschen streicht und keine extravaganten Hobbys hinzufügt, bleibt nur noch gähnende Langeweile. Da nützt auch der schöne Stil nichts mehr.

 

Fazit:

Ein verklemmtes Buch aus einer verklemmten Zeit. Zu weit weg von der heutigen Lebensrealität, um noch interessant zu sein. Ausser man möchte unbedingt erfahren, was die englische Oberschicht vor zweihundert Jahren den ganzen Tag so getrieben hat.